Information, communication, and biotechnology play an increasingly important role in the globalizing society of the changing century. Beyond simplistic technodeterminism, there are good reasons to recognize that these technologies influence our ideas of subjectivity, agency and politics. This process is linked to the culturalization of economic interests ó among other things. In this context, the arts, as a field of the visual, hold an important and active place in our increasingly visualized society, be it in an affirmative or a critical sense. Tenacity wants to examine how art strategies and esthetics interfere in the universalism of technologies, asking how artists can be users while at the same time opposing the ideologies provided by these technologies. Beyond a simple criticism of hegemonic ideas of art and technologies, the Tenacity participants engage in producing alternative esthetics and omitted subject matters. They assert that digital media, new technologies and virtual realities don't abolish the embodiment of knowledge, criticism, and resistance. In so far as art is always an embodiment of ideas and a realization of imaginative and utopian moments, it has a crucial function in tenaciously insisting on the materiality of actual bodies and their contexts. Reflecting the importance of identity and agency in a networked context, many artists focus on the figuration of net personae with a wide range of psychic and political dimensions. Cyborgs, monsters, nomads, bots, lurkers and hackers cross the multi-layered space. The Tenacity participants have been involved in an engaged digital media discourse for years and are among the best-regarded artists in the new media scene. The exhibition will establish a display specific to their critical reflections on new media and new technologies focusing beyond the visual into the acoustic. As an embodied virtual space, the gallery provides the temporary and symbolic location, where tenacious agents and images gather and move in a kind of high-speed, virtualized acoustic and visual space. óYvonne Volkart

Widerspenstige Praktiken im Zeitalter von Informations- und Biotechnologien
Shedhalle, July 1 to August 6, 2000

Widerspenstige Praktiken im Zeitalter von Informations- und Biotechnologien
Shedhalle, 1. Juli bis 6. August 2000

http://www.thing.net/~tenacity

Basicray (New York), Ursula Biemann (Z?rich), Natalie Bookchin (Los Angeles), Natalie Bookchin & Alexei Shulgin (Moskau), Bureau of Inverse Technology (global), Ricardo Dominguez (New York), Johan Grimonprez (Gent/New York), Marina Grzinic & Aina Smid (Ljubljana), Kristin Lucas (New York), Diane Ludin (New York), Jennifer & Kevin McCoy (New York), Francesca da Rimini & Michael Grimm (Adelaide, Australia), Rtmark (USA), Lehti Kuwa (Z?rich), Cornelia Sollfrank (Hamburg), Linda Wallace (Canberra)

Gastkuratorin: Yvonne Volkart

Beginn der Konferenz: Samstag, 1. Juli 19 Uhr
Ausstellungser?ffnung: ab 22 Uhr
?ffnungszeiten: Mi-So 21.00-23.30 h

Informations- und Biotechnologien spielen zunehmend eine universalisierende Rolle und beeinflussen unsere Ideen von Subjektivit?t und (politischer) Handlungsf?higkeit. Auch die Kunstszene tr?gt diesen Prozessen Rechnung und widmet sich vermehrt digitalen Themen. Unbeachtet bleibt dabei h?ufig, dass neue Technologien neue (alte) Ideologien und Monopoli-sierungen transportieren. Der gegenw?rtige Transformationsprozess ist unter anderem durch eine Kulturalisierung ?konomischer Interessen und umgekehrt durch eine Einverleibung von Kultur in ?konomische Zusammenh?nge gekennzeichnet. Das heisst, dass nicht nur Kultur eine immer zentralere Rolle spielt, sondern dass die bildende Kunst im speziellen - gewissermassen als Feld des Visuellen - eine dominante Stellung innehat, sei es in einem affirmativen, sei es in einem kritischen Sinn.

F?r die Ausstellung »Widerspenstige Praktiken« ist die Frage relevant, wie sich ein Konzept von k?nstlerisch-kulturellem Widerstand gegen?ber diesen ?konomisierungen des Kulturellen sowie der Universalisierung neuer Technologien und deren Funktion der Konsolidierung multinationaler Konzerne formulieren l?sst, wenn man weiss, dass man selbst, wo auch immer man sich befindet und was auch immer man tut, tragender Teil dieser Prozesse ist. Wie kann man BenutzerIn dieser Medien sein und sich gleichzeitig deren inh?renter Interessen widersetzen? Ist ein Konzept wie Widerstand in einer »posthumanen Gesellschaft« ?berhaupt noch tragf?hig und wie schauen die aktuellen Formen davon aus?

»Widerspenstige Praktiken« behauptet, dass im posthumanen Zeitalter von Kulturalisierung des Politischen, ?sthetisierung existentieller Lebenspraktiken und Virtualisierung des Realen die Kunst ein privilegierter Ort von realem und symbolpolitischem Widerstand sein kann, den es vielf?ltig und offen zu erproben gilt. Diese Ausstellung zeigt auf, dass es einen avancierten Umgang mit neuen Medien jenseits technodeterministischer Zw?nge gibt. Sie macht den Vorschlag, dass im Moment ein Begriff wie Widerstand besser durch den der Widerspenstigkeit ersetzt w?rde. Digitale Medien und Technologien machen die Verk?rperung von Wissen, Kritik und Widerstand nicht obsolet, sondern erfordern diese nachgerade, sie bringen aber doch auch andere als sprachzentrierte Diskurstypen hervor. Das pr?destiniert sie f?r eine Realisierung im Raum. Deshalb und insofern, als Kunst eine zentrale Funktion im Beharren auf der Realit?t von Kontexten und K?rpern inne hat (weil sie eine Visualisierung imagin?rer, virtueller/utopischer Momente darstellt), ist f?r »Widerspenstige Praktiken« die Repr?sentation innerhalb des Mediums Ausstellung zentral: Getragen vom Soundsampling von Jennifer und Kevin McCoy, der Ausstellungsarchitektur Lehti Kuwas und den einzelnen Beitr?gen versteht sich das Projekt als Modell einer symbolisch-virtuellen Zone, in der sich widerspenstige AgentInnen, bildhafte Datenstr?me und Maschinen tempor?r vernetzen.

Basicray (New York) ist eine Gruppe von Medienk?nstlerInnen aus New York und ?sterreich, die in die Entwicklung von 3d Videogame-Technologie involviert ist. Ausgehend von der Annahme, dass unsere Wahrnehmung durch technologische Medien und deren M?glichkeiten konditioniert wird, mithin, dass Wahrnehmung ein eminent politisches Feld ist, investieren sie in die Entwicklung autonomer Mittel, um sensorische Erfahrungen unabh?ngig von konsumorientierten Zielen zu erm?glichen. F?r die Shedhalle zeigen sie eine das Virtual-reality-Environment »N-Shell«, in welchem die UserInnen mit sogeannten intelligent agents durch eine hybride Architektur von Licht, Fl?ssigkeit und Sound navigieren k?nnen. http://www.basicray.com

Ursula Biemann (Z?rich) untersucht, inwiefern das Internet als globales Kommunikationsmittel unser Begehren und Sexualverhalten ver?ndert. In ihrem speziell f?r die Ausstellung produzierten 20-min?tigen Video »Writing Desire« untersucht sie ?sthetisch zwei miteinander verh?ngte Ph?nomene: Das wachsende Angebot von sogenannten mail-order-Br?uten im Internet sowie die Tatsache, dass immer mehr Menschen romantische on-line-Liebesbeziehungen entwickeln.

Natalie Bookchin (Los Angeles) ist eine Netzk?nstlerin, die, wie so viele, die mit dem Netz und digitalen Medien arbeiten, sowohl in Einzelprojekte als auch in verschiedene Kollaborationen involviert ist. In der Shedhalle werden ihre Arbeiten gefeatured, in denen es unter anderem um die Frage nach Umsetzungsm?glichkeiten buchzentrierter in digitale Medien. Ihre computergameartige Umsetzung der Erz?hlung »Invader« von Jorge Luis Borges etwa erh?lt in der Hervorstreichung genderspezifischer und lowculture-Aspekte neue Relevanz. Daneben zeigen wir ihre Projekte mit dem Netzk?nstler Alexei Shulgin (Moskau), wo die beiden verschiedene Ebenen erarbeiten, Beteiligung anderer NetzwerkerInnen zu erm?glichen. http://www.calarts.edu/~bookchin http://www.easylife.org

Bureau of Inversive Technology (global) beschreibt sich selbst als Agentur f?r das Informationszeitalter. Dabei setzen sie sich immer wieder mit multinationalen Corporations wie Walt Disney in Bezug, verfolgen allerdings v?llig andere Ziele. Mit der Arbeit HalfLife Ratio, die Teil der Bitsperm Bank™ ist, vergleichen sie die wirklichen Zahlen und verschiedenen Marktwerte von Ovum und Sperma und zeigen auf, wie sehr geschlechtsspezifische Ungleichheiten im Marketing von Reproduktionstechnologien weiterwirken. http://www.thing.net/~tenacity/HALFLIFE/index.html

Ricardo Dominguez (New York) ist ein Mitbegr?nder vom Electronic Disturbance Theater - einer netzbasierten AktivistInnen- und K?nstlerInnengruppe, welche spielerische und spektakul?re Formen virtuellen Widerstands erprobt. Ihr Ziel ist es, sich mit elektronischen Medien f?r die sich ver?ndernden Rechte von Menschen in einer vernetzten Welt einzusetzen. Er zeigt unter anderem das Video »Mayan Technology for the People: A Zapatista haiku on the question of technology and the politics of intervention», das auf die US-Politik in Mexiko Bezug nimmt und eine »hacktivistische« Haltung gegen?ber Milit?rtechnologien propagiert. http: www.thing.net/~rdom http://www.thing.net/~rdom/ecd/ecd.html (Electronic Disturbance Theater)

Johan Grimonprez (New York/Gent) konzipierte zusammen mit Pandiscio inc. New York das Magazin »Inflight« - eine Art Imitation traditioneller Flugzeugmagazine. Vordergr?ndig enth?lt es die gleichen Themen: Einkaufen, Sicherheit, Feature-Artikel etc. Schaut man es sich dann n?her an, entdeckt man eine ganz andere Geschichte: Flugzeugentf?hrungen, Spektakel, Internetkriege usw. Grimonprez wurde mit seinem Video »Dial History«, in welchem er die Medienkonstruktionen von Flugzeuentf?hrungen recherchierte, weltber?hmt. »Inflight« kn?pft an die Themen von damals an und denkt die Ideen von Sabotage weiter f?r die Zeit der digitalen Medien.

Marina Grzinic und Aina Smid (Ljubljana) machen Videos und netzbasierte Arbeiten, welche das »kommunistische Subjekt» und dessen Repr?sentation untersuchen. In der Videoarbeit »Luna 10« zeigen Grzinic und Smid anschaulich, dass neue Technologien nicht neutral sind, sondern im Gegenteil zutiefst verh?ngt sind mit westlichen Ideologien von Freiheit und Eroberungsdrang. Sie behandeln die Frage, was es f?r Menschen aus dem Osten bedeutet, sich diese Technologien anzueignen. http://www.ljudmila.org/quantum.east

Lehti Kuwa (Z?rich) entwirft f?r diese Ausstellung ein spezielles low-tech-Design, das die Bedeutung des K?rperlichen in der Kommunikation mit verschiedensten materiellen und immateriellen Datenstr?men thematisiert. Unterschiede zwischen Landschaft, Architektur, K?rper und Screen werden partiell aufgel?st, Virtualit?t wird zum fantasmatischen Modell, das man auch und bereits im Realraum erleben kann.

Kristin Lucas (New York) konzipierte f?r diese Ausstellung eine Website, auf der die UserInnen ?ber verschiedene Displays Zugang zu Informationen ?ber eine junge Frau erhalten, die von Lucas selbst gespielt wird. Diese Frau strahlt ein elektromagnetisches Feld aus, was sie dazu bef?higt, Gedanken und Polizei-Funk zu lesen. Das CIA, FBI, FCC und IRS beobachten sie st?ndig, k?nnen aber nichts aufzeichnen, da ihre Strahlungen alles ausl?schen. Lucasí fiktionale Cyborg-Frau ist ein hybrider und subversiver Spr?ssling unseres Informationszeitalters, und zwar nicht, weil sie klare Widerstandskonzepte entwickelt h?tte, sondern weil sie quasi durch die technologische Umwelt dazu wurde. http://www.involuntary.org

Diane Ludin (New York) entwickelte mit Francesca da Rimini und Agnese Trochi (Rom) zusammen die Netzarbeit »Identity Runners: Re-Flesh the Body», welche digitale Mythen posthumaner Identit?ten de- und rekonstruiert. F?r die Ausstellung machte Ludin zusammen mit Ricardo Dominguez eine Videoarbeit, die Aussschnitte aus »Identity Runners« enth?lt. Mimetisiert werden dabei die aktuelle Eindimensionalit?t wissenschaftlicher Modelle von Biotech, die beanspruchen, hochkomplexe, un?berschaubare Inhalte ad?quat zu repr?sentieren, letztlich aber auf ziemlich simplen Reduktionen beruhen. http://www2.sva.edu/~dianel/irdunr

Jennifer and Kevin McCoy (New York) sampelten f?r »Widerspenstige Praktiken« das Audiomaterial s?mtlicher in der Shedhalle pr?sentierter Projekte. Durch ein Switching-System verteilt sich der Sound ?ber mehrere Lautsprecher im Raum, so dass der Sound, parallel zu den BetrachterInnen, bewegt ist und Bewegung ausl?st. Der virtuelle Klangraum, der das Informationsmaterial der Projekte fraktuiert und neu ?bermittelt, stellt eine Art Analogie zu den Datenfl?ssen in der Welt des globalen Kapitals dar. http://www.airworld.net

Francesca da Rimini (Adelaide) ist Gr?ndungsmitglied der mittlerweile aufgel?sten cyberfeministischen Gruppe VNS Matrix. Sie pr?sentiert die Netzarbeit »Dollspace«; deren Protagonistin ist Doll Yoko, eine ermordete Frau, die im Netz herumgeistert und monstr?se Fantasien und Begierden hat. Da Rimini zeigt das Internet als einen Raum voller Phantasmen, in dem positive und negative Repr?sentationen widerspenstiger weiblicher Subjekte erfahren werden k?nnen. Den »soundtrack for an empty dollspace« machte Michael Grimm (Adelaide) http: //www.thing.net/~dollyoko

rtmark (USA) ist eine Gruppe von anonymen K?nstlerInnen und NetzaktivistInnen, die Anst?sse zu Widerstand im und durch das Netz geben und die erforderlichen finanziellen Mittel dazu organisieren. Sie initiierten unter anderem die Anti-WTO-Kampagnen und den Toywar, bei dem sich die K?nstlergruppe etoy gegen den Spielzeuggiganten eToy wehrte, der deren domain mit gewaltsamen Mitteln zu ?bernehmen trachtete. F?r »Widerspenstige Praktiken» f?hren zwei Mitglieder an der Vernissage eine Performance vor und zeigen in der Ausstellung ein Video ?ber eine Frau in den R?dern von Sch?nheitschirurgie und Biotech. http://www.rtmark.com http://rtmark.com/more/ppt/biotaylorism/

Cornelia Sollfrankís (Hamburg) Beitrag »Unautorisierter Zugang« besteht zur Hauptsache in einem Video, in dem sie die anonym bleibende Hackerin mit dem Codenamen Clara G. Sopht interviewt. Diese ist spezialisiert auf sogenannte DDOS- Attacken, eine Methode, welche Server durch automatisches Wiederaufladen von Daten derart mit Informationen ?berschwemmt, dass sie ausser Betrieb geraten. Sollfranks Recherche beruht auf der Tatsache, dass HackerInnen zwar eine zunehmend wichtig Rolle in unserer Informationswelt spielen, dass es aber kaum Frauen gibt, die HackerInnen sind. http://www.obn.org/hackers

Linda Wallace' (Canberra) Videoarbeit »Lovehotel« bezieht sich auf die online-Abenteuer und -Liebesbeziehungen von Gashgirl aka Francesca da Rimini. Die Arbeit ist die visuelle Interpretation und der Einbezug von Exzerpten aus dem Lambdamoo »Home of the Puppet Mistress«, das in den Jahren 1994-97 geschrieben und gelebt wurde. Diese Lambdamoos der Netzentit?t Gashgirl fanden auch Eingang in da Riminis Arbeit »Dollspace«, in der Gashgirl eine Art Alter ego der Netzfiguration Dollyoko ist. Lovehotel verwendet ?hnlich wie Dollspace multiple Textstrukturen, um den virtuellen Raum des Begehrens, so wie ihn Francesca da Rimini mit dem Netz inszeniert, zu er?ffnen. http://www.machinehunger.com.au/lovehotel

Vortr?ge mit Diskussion, Samstag 1. Juli 2000

19 Uhr
Going nowhere: luna 10 & other satellite garbages, Marina Grzinic

Hacktivismus in Italien, Marco Deseriis, The Thing, Rom http://www.romacivica.net/thething/main.html

BioTaylorism: A MicroSoft PowerPoint(TM) presentation by RTMark http://rtmark.com/more/ppt/biotaylorism

Pause

21 Uhr
Extended Media Object, Vladimir Muzhesky, Basicray

Software = Mind Control: Get Some, Matthew Fuller, I/O/D, London, Zusammenarbeit mit Mongrel, London. http://www.bak.spc.org/iod/, http://www.mongrel.org.uk

22 Uhr: Ausstellungser?ffnung

Commissioned by Swiss Institute und Annette Schindler
Raumvideos: Paul Greenhaw, New York
Pro Helvetia, British Council, IFA

 
 
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