eNews 09.96
Access
I: msn 2.0
Access II: Viacom mit Sprint
Access III: Wachstum!!!
toolz
I: HiFi mit MPEG I Layer 3
toolz II: WOW - FutureSplash
toolz III: NetObjects Fusion
Access
I: msn 2.0
Wenn ein Online-Dienst nach einem Jahr
rund 1,6 Millionen Kunden weltweit vorzuweisen hat, ist das ein
Erfolg oder eine Schlappe? Bill Gates war's auf jeden Fall nicht
zufrieden, deklarierte die proprietäre Software seines Microsoft
Networks (msn) für Datenmüll, um msn als internetbasierten Online-Service
wiederauferstehen zu lassen. Ab Relaunch im November kommen
erstmal nur die US-Kunden in den Genuß des neuen Angebots. Die internationalen
Ableger wie msn Deutschland folgen "Anfang nächsten
Jahres". Wie unterscheidet sich msn 2.0 von seinem
Vorgänger?
Preview
Ein erster Einblick zeigt erstaunliches. Lang vorbei sind die
Zeiten, als etwa CompuServe Deutschland seinen Dienst als
Computer-Club etablieren wollte. msn bevorzugt eher die
TV-Analogien, mit themenorientierten Kanälen,
Unterhaltungsserien und Talkshows. Und Content Provider gibt's eigentlich
nur einen: Microsoft. Denn, wie im richtigen Fernsehleben, werden
Produktionen selbst produziert, angekauft oder in Auftrag
gegeben. Verantwortlich zeichnet hier m3p (microsoft multimedia productions), das zugehörige
Studio.
Den breiten Newsbedarf deckt in den USA MSNBC ab, in Deutschland
ist der Wahlpartner bekanntermaßen das ZDF. Der Production Value
ist dabei durchgängig hoch: msn setzt auf Vektorgrafikanimationen
- und bietet damit echtes Multimedia über Modemleitungen. Tool
of Choice ist FutureSplash von FutureWave, geneigte User können sich das Autorentool (Mac und
Win 95/NT) zur Probe auf den Rechner ziehen.
Technologische Basis von msn 2.0 sind zwar die offenen Standards
des Internet. Aber nur wer msn abonniert, erhält die
hochkarätig produzierten eigenen Inhalte. Wem die Microsoftwelt
dann doch zu eng wird, der wandert über die selbe
Browseroberfläche ab ins Web.
Aufwendige Produktionen
Das Business-Modell für Microsoft ist dabei ebenso simpel wie
einleuchtend - und grundverschieden von den bisherigen
Online-Ansätzen. Der eigene Content wird als Investment
verstanden. Der gewünschte Effekt: Imagebildung, um sich von
herkömmlichen Internet Service Providern abzugrenzen. Dies gilt
für alle Entertainment-Inhalte, von Webshows wie "914"
bis hin zur StarTrek-Site. Sponsoring kann hier nur teilweise zur
Refinanzierung beitragen, denn die Etats der Produktionen sind
durchaus beachtlich. Simple Angebote werden mit mindestens 200
000 Dollar im Jahr veranschlagt. Aufwendigere Produktionen liegen
jenseits der Millionen-Grenze.
Gleichzeitig testet Microsoft auch den Aufbau von
Transaktionsgeschäften. Musterbeispiele hierfür sind CarPoint (Autohandel) und vor allem das gemischte Doppel aus Mungo Park, einem Online-Reiseabenteuer-Magazin, und Expedia, einer Art virtuellem Reisebüro mit angeschlossenem Buchungsservice
- das allen Netusern offen steht.
Dumpingpreise
Geld verdient msn, wie seine Konkurrenten, durch User die Online gehen.
Daß der Content aus der eigenen Tasche kommt, erlaubt dabei ein
durchaus freizügiges Jonglieren mit den Zugangskosten. Für 6,95
Dollar im Monat kosten fünf Stunden msn und Internet-Access, jede
weitere Stunde wird mit 2,50 Dollar abgerechnet. Unbegrenzter Zugang
kostet 19,95 Dollar. Für Poweruser hält bietet msn zum Dumpingpreis
49,95 Dollar zeitlich unlimitierten ISDN-Access. Wer einen
anderen Netprovider benutzt (z.B. im Büro), kann sich für 6,95 Dollar
im Monat unbeschränkten Zugang zu den msn-Angeboten erkaufen.
Für den deutschen Markt sind angeblich vergleichbare Preise zu erwarten.
In den USA ist AOL zwar inzwischen
gleichgezogen, mit einem 19,95 Dollar-Angebot für Dauernutzer. Für
Dienste wie AOL, die die Usage-Zeiten der Nutzer mit den Contentanbietern
verrechnen müssen, ist dies freilich ein recht komplexes
Unterfangen.
Wer kann, der kann
Microsofts größter Vorteil bleibt jedoch die Position im
PC-Software-Geschäft. Schon bei Installation von Windows 95
prangt das msn-Logo mitten auf dem Bildschirm (und wer es
löschen will, bekommt einige bedrohliche
Betriebssystemswarnungen um die Ohren geschlagen). Mit dem
Internet Explorer liefert Microsoft nicht nur die Basis für den
eigenen msn-Service, sondern auch noch (dank cleverer Verträge),
den bevorzugten Browser für Konkurrenten wie AOL, CompuServe und Prodigy. Doch Microsofts Strategie greift noch einen Schritt
weiter. Während AOL als proprietärer Dienst seine Software
selbst programmieren muß, nutzt msn nicht nur die offenen
Internetstandards - sondern programmiert und verkauft auch die
entsprechende Software an Unternehmen, die eine eigene Webpräsenz
planen. Oder zum Beispiel an den Konkurrenten CompuServe, der
seine eigenen Angebote inzwischen auch internetkompatibel
anbietet.
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msn 3.0???
Rund 100 Millionen
Dollar will Microsoft im Lauf des nächsten Jahres ins
msn-Marketing stecken, knapp ein Drittel des AOL-Marketing-Etats.
Daß Microsoft seinen Dienst praktisch ohne jegliche Marketinganstrengung
von Null auf 1,6 Millionen brachte, mag einem jedoch den Wert des
exponierten msn-Logos auf den PC-Bildschirmen verdeutlichen. Und
so soll msn 2.0 denn auch Mitte 97 seine Userzahlen verdoppelt haben. Sollte
msn 2.0 den hochgesteckten Zielen nicht genügen, dann haben Microsoft-Manager schon
ein erleichterndes Wort für sich gefunden. Egal ob Windows oder
Word, erst ab Version 3.0 habe man im jeweiligen Markt die Spitzenposition
erreicht.
Access
II: Viacom mit Sprint
Viacom gab bekannt, gemeinsam
mit Sprint Internet Access vermarkten zu wollen. "[Sprint] teilt
unsere Ansicht, Internet Access Produkte mit Markenwert für den Endkonsumenten entwickeln
zu wollen", sagt Edward D. Horowitz, Senior Vice President, Technology, Viacom
Inc. und Chairman/Chief Executive Officer, Viacom Interactive Media.
Sprint stellt bei der Kooperation die technische Infrastruktur,
Branding und Marketing kommen von Viacom. Zu Viacoms wichtigsten
Marken zählen MTV Networks, Blockbuster video and music,
Paramount Parks, Paramount Pictures, Paramount Television,
Showtime Networks und der Verlag Simon & Schuster. An den Kabelnetworks Comedy Central,
USA Networks und Sci-Fi Channel hält Viacom Anteile. Sprint (20
Prozent der Anteile hält die Deutsche Telekom) ist mit einem
Umsatz von knapp 13 Milliarden Dollar nach AT&T und MCI der
drittgrößte Longdistance-Provider der USA.
Branding-Ansatz für Access
"Unsere Verbindung mit Viacom ermöglicht uns einen neuen
Weg zum Konsumenten, den bisher kein anderer Internet Service Provider eingeschlagen
hat", erklärt Robba Benjamin, President von Sprints Multimedia
Group. Neu ist der Ansatz freilich nur für die USA. In Großbritannien
wollen im kommenden Jahr News Corp (mit Partner BT) und die BBC (mit Partner
Fujitsu) ähnliche Projekte angehen. Gleiches gilt für
Deutschland mit EUnet und mediaWays (über diesen Link läßt sich streiten <g>), dem Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann
und debis.
Die Kooperation Viacom/Sprint darf jedoch als Nagelprobe fürs Branding-Konzept gelten. Im Gegensatz
zum Rest der Welt rangeln in den USA unzählige Internet Access Provider um
den privaten Endkunden. Kleine Miniprovider ums Eck (die als Reseller größerer kommerzieller
Anbieter fungieren) versuchen sich mit persönlichem Service zu etablieren. Schnell
wachsende nationale Anbieter wie Netcom und PSInet bieten ein USA-weites Netz an Einwahlknoten und gehen
gleichzeitig auch den internationalen Markt an (Netcom versucht
sich in Brasilien, PSInet unter anderem in Großbritannien). Und
auch die großen Telekommunikationskonzerne stehen nicht abseits: AT&T bietet genauso Internet Access für
Privatkunden wie das Gros der regionalen Telefongesellschaften
(Baby Bells) wie auch teilweise schon die großen Kabelnetzbetreiber. Ganz zu schweigen von den klassischen Onlineanbietern
wie AOL und CompuServe oder dem als
Web-only relaunchten msn. Ein enger Markt, ohne Frage.
Aber auch mit Wachstumspotential: Auch in den USA hängt erst eine Minderheit der
Bevölkerung am Internet ...
Access
III: Wachstum!!!
Bis zum Ende des kommenden Jahres will AT&T WorldNet seine Kundenzahl
mehr als verzehnfachen und rund fünf Millionen Abonnenten
erreichen. Derzeit hat der Internet Access Service 425 000 Mitglieder.
Möglich machen soll dieses Wachstum unter anderem Kooperationen
mit TV-Settop-Anbietern. Bestätigen möchte AT&T den
geplanten Wachstumsschub nicht, nannte die fünf Millionen-Marke
allerdings wohl bei Konferenzgesprächen, wie Wall Street
Analysten erläutern.
toolz
I: HiFi mit MPEG I Layer 3
Wer hat den besten Algorithmus, um Töne in Internetverträgliche Datenströme umzuwandeln?
Bei dem gemeinsamen Versuch, den qualitativ eher fragwürdigen Marktführer
RealAudio auszuhebeln, sind die beiden US-Unternehmen Macromedia und Telos an einem recht erstaunlichen
Platz fündig geworden: bei der Fraunhofer Gesellschaft in München.
"Jeder denkt immer, alle Internet-Technologie komme aus den
USA", meint Steve Church, President von Telos Systems. "Dem
ist ganz klar nicht so. Digitalisierung von Audio ist - dank DAB -
ganz klar eine Domäne der Deutschen." Telos und Macromedia nutzen
beide auf MPEG-2 Layer III, die nötige Technologie entwickelte Fraunhofer Gesellschaft in München.
Daß deutsche Netzanbieter die Technologie nun via Macromedia oder
Telos re-importieren müssen mutet freilich wie ein Treppenwitz an
- nimmt aber freilich nicht wunder. Während RealAudio, Macromedia,
Telos und Co. ihre Player ans geneigte Publikum verschenken (nur
Encoder- oder Serversoftware ist kostenpflichtig), müssen User
des Original-Fraunhofer-Player selbigen für 86,25 Mark (inklusive
Mehrwertsteuer) bei einem Handelspartner erwerben. Nicht grade
ein Erfolgsrezept. Klüger klingt schon, wie Telos und Macromedia
gemeinsam RealAudio aushebeln wollen. Audioactive heißt das neue Konzept - dem es freilich noch an der
nötigen Plug-In-Unterstützung (und dem Schritt aus dem Beta-Ghetto)
fehlt.
toolz
II: WOW - FutureSplash
Vektorgrafiken sind winzigklein - Shockwaveanimationen riesiggroß. Drum
baut man Animationen, Benutzeroberflächen etc pp auch gerne mal
mit was andrem (wenn man denn noch einen Plug-In installieren/verbreiten
will). Microsoft benutzt`s jedenfalls für msn 2.0, mit
erfreulichen Resultaten. Gebaut von FutureWave und für 30 Tage gratis auszuprobieren.
toolz
III: NetObjects Fusion
Hoho - Sitebauers Freude: Mit NetObjects
Fusion behält man leichter den Überblick.
© hubert gertis / gertis new media